Installation und Konfiguration von Fastlist

Mit dem Nodelisten-Compiler FastList nähern wir uns dem Problemkind unserer Linux-Installation. Warum, dazu nachher beim Punkt "Installation".

Dabei ist FastList eigentlich ebenso wichtig, wie die anderen eingesetzten Programme auch. Ohne eine compilierte Nodelist ist BinkleyTerm fast arbeitsunfähig, da es ja gar nicht weiss, wo es eigentlich anrufen soll. Und auch GoldEd verliert ein bisschen Komfort, denn es kann einem bei dem Lesen einer Mail dann keine näheren Informationen zum Beispiel zu einem Node anzeigen, von dem die Nachricht verfasst wurde.

Die Konfiguration von FastList geschieht, wie schon gewohnt, wieder über eine eigene Textdatei und ist recht schnell abgehandelt. Zumindest dann, wenn man die Nodeliste nur ab und an von Hand compiliert, wie es hier in den Beispielen geschieht. Bei einem Node, der eine eigene Mailbox betreibt, ist es üblich, die einmal wöchentlich erscheinende Nodelist automatisch zu verarbeiten, damit die Box immer auf dem neuesten Stand ist, und dann die Nodelisten auch noch an Points oder andere Nodes zu verteilen - für all diese Jobs wäre natürlich eine aufwendigere Arbeit notwendig. Als Point benötigt man jedoch all dies nicht, sondern es reicht völlig, ab und an mal per Hand eine neue Nodeliste einzuspielen - vor allem, wenn man sich dann die Konfiguration wesentlich erleichtern kann.

1. Installation

Die Installation geschieht einfach durch das Einspielen des auf diesen Seiten liegenden RPM-Paketes für FastList. Einfach ist dabei natürlich etwas übertrieben, denn diese Sache ist alles andere als problemlos. Bei einer SuSE 6.2 funktioniert das Einspielen des RPM tadellos - bzw. das anschließende Benutzen des Programms -, aber schon bei einer SuSE 6.1 klappte es nicht mehr. Der Grund, warum hier dennoch dieses RPM und nicht etwa der Source von FastList angeboten wird, ist einfach der, dass eben dieser Sourcecode sich auf besagter SuSE 6.1 nicht compilieren ließ und somit keine Abhilfe brachte.

Dem Problem haben wir uns jedoch angenommen und versuchen, eine Lösung zu finden. Denn ohne ein funktionierendes FastLIst kann auch Binkley nicht vernünftig funktionieren.

Sollte jedoch die Installation funktioniert haben, so findet sich anschließend in /usr/local/bin die ausführbare Datei fastlst. Im Pfad /usr/local/doc/packages/fastlst/de wird die deutschsprachige Anleitung zu FastList abgelegt. Wer also mehr als nur die hier angegebene Minimalkonfiguration möchte, sollte sich dieses Werk zu Gemüte führen.

2. Konfiguration

Nachdem sich die Installation von FastList als ziemlich nervig erweisen kann, ist wenigstens die Konfiguration ein Kinderspiel. Drei Dateien gilt es zu bearbeiten: fastlst.cfg, fastlst.pwd und compress.cfg.

Fangen wir mit der fastlst.cfg an:

CompressCfg /etc/fido/compress.cfg

Die compress.cfg ist eine zusätzliche Konfigurationsdatei, die FastList mitteilt, welche Packer im System vorhanden sind (arj, arc, zip, ...) und bei welcher Datei welcher Packer zu verwendeten ist, ähnlich wie auch schon in der Konfiguration von fidoconfig. Das Schlüsselwort "CompressCfg" sagt nun, wo diese Informationen zu den Packern zu finden sind.

InputPath /etc/fido/nodelist-in

In welchem Pfad soll FastList nach einer Nodeliste suchen, die es dann verarbeiten kann?

V7BugFix

Eine ältere Version von BinkleyTerm hatte mal ein Bug bei der Verarbeitung von Nodelisten, der auch in anderen Fido-Programmen auftauchte, da diese teile des Sourcecodes von Binkley übernahmen. Mittlerweile ist dieser Bug in Binkley zwar behoben, kann aber noch in dem ein oder anderen Fido-Programm auftauchen. Die Funktion "V7BugFix" compiliert die Nodeliste so, dass der Fehler nicht mehr auftreten kann. Sie sollte sicherheitshalber aktiviert werden.

Dial
49-221- /
49- 010300
- 00
End

Dies sorgt für die korrekte Umsetzung der in der original Nodeliste im internationalen Format angegebenen Telefonnumern von Mailboxen in ein "normales" Format, so dass eine Nummer vom Modem gewählt werden kann. Das obige Beispiel gilt für Köln und sei hier näher erläutert:

Beginnt die Nummer einer Mailbox in der Nodeliste mit 49-221, so steht diese Box in Deutschland und zwar in Köln. Daher muss keine Vorwahl benutzt werden, wenn diese Box angerufen wird. Dies besagt der Querstrich ("/").

Beginnt die Nummer einer Box nur mit 49, so steht diese Box irgendwo in Deutschland, nicht aber in Köln. Nun wird vor die dann folgende Nummer noch die Vorwahl 01030 gewählt, wodurch als Telefonanbieter TelDaFax benutzt wird (sh. Artikel zu Call-By-Call auf dieser Homepage) und dann kommt noch eine 0, um die Vorwahl einzuleiten. Beispiel: in der Nodelist steht die "Calzone Box, 2:2432/203" mit der Telefonnumer 49-2865-10138. Die "49-" wird nun ersetzt durch "010300", insgesamt also "0103002865-10138", wodurch mit dem Anbieter TelDaFax bei der Calzone Box angerufen wird. Da dies keine unnötige Werbung für TelDaFax sein soll: wenn du zB. einfach nur über die Telekom telefonieren wolltest, würde eine einfach "0" an der Stelle reichen. Aus 49-2865-10138 würde dann 02865-10138. Und anstatt 01030 kann natürlich auch jede andere Vor-Vorwahl eingesetzt werden.

Der letzt Eintrag: für alle anderen Mailboxen, das sind also alle Boxen, die nicht in Deutschland stehen, wird vor die in der Nodeliste angegebene Nummer einfach eine "00" gestellt, wodurch ein internationales Gespräch geführt wird. Wer mag, kann natürlich auch hier wieder Call-By-Call-Anbieter einbauen.

Version7+ /etc/fido/nodelist NODEX SYSOP

Diese Zeile gibt an, in welches Format die Nodeliste compiliert werden soll, wo das Ergebnis gespeichert wird und welchen Namen die Node- und Sysop-Index-Dateien haben sollen. Letzteres sind technische Angaben und sollten so übernommen werden.

PasswordFile /etc/fido/fastlst.pwd

Mit einigen Mailboxen, vor allem natürlich mit der Box, bei der man Point ist, hat man Passwörter vereinbart, die Binkley beim Aufbau einer Verbindung übertragen muss. Binkley kennt diese Passwörter, weil sie mit in die Nodeliste "hineincompiliert" sind. Hier wird gesagt, wo FastList die Passwörter findet, die es mitcompilieren soll.

NodeList NODELIST.???
NodeDiff NODEDIFF.???

FastList wird im "InputPath" alle Dateien versuchen zu verarbeiten, die mit der Bezeichnung "nodelist." oder "nodediff." beginnen. Dies sollte so übernommen werden.

Nun zur compress.cfg, die sich, wie oben bereits erwähnt, mit den verschiedenen Packern befasst. Sie soll hier nur kurz besprochen werden, da sie bei einem Point-System, bei dem Nodelisten manuell verarbeitet werden, kaum benötigt wird.

Archiver ARC
Extension ARC
Ident 0,1a
Add arc aw %a %f
Extract arc ew %a %f
View arc vw %a
End Archiver

Dies sind beispielhaft die Angaben für den Archiver arc, der eigentlich bei der Verarbeitung von Nodelisten nachwievor der einzig wichtige ist. Denn obwohl das ARC-Format schon recht alt ist, werden die Nodelisten des Fido noch immer damit verpackt, wohl einfach aus Kompatibilitätsgründen, so dass nicht unzählige Mailboxen sich plötzlich umstellen müssen. Das Programm "arc" sollte also auf deinem System auf jeden Fall installiert sein - es wird bei den meisten Distributionen (zB. SuSE) auch mitgeliefert.

Die obigen angeben sprechen weitestgehend für sich. Mit "Ident" wird eine Datei anhand eines bestimmten Wertes darauf geprüft, in welchem Format sie komprimiert ist. Beim Ergebnis "1a" eben im ARC-Format. "Add" sagt dem System, wie das Programm arc aufzurufen ist, falls eine Datei komprimniert werden soll, entsprechend sorgt "Extract" für das korrekte Entpacken und "View" gibt das Kommando an, das auszuführen ist, wenn man nur mal einen Blick ins Archiv werfen will.

Weitere Packer werden auf die gleiche Weise konfiguriert, können aber ggf. auch vernachlässigt werden.

Zum Abschluss noch ein Blick in die fastlst.pwd, die zugehörige Passwort-Datei also:

Password 2:2432/203 qawsedrf
Password 2:2476/847 yaxscdvf

Diese Zeilen sind eigentlich recht selbsterklärend, wenn man die anderen Konfigs schon hinter sich hat: mit dem System 2:2432/203, der Calzone Box, wird das Passwort qawsedrf vereinbart, mit 2:2476/847 das Passwort yaxscdvf. Diese Passwörter werden nun von FastList in die compilierte Fassung der Nodelist eingebaut und später dann kann Binkley der Calzone Box bei einem Anruf mitteilen "Juuuhuuu! Wir haben auch ein Passwort, nämlich qawsedrf", woraufhin sich die Calzone Box freut, dem Anrufer glaubt, dass er wirklich derjenige ist, der er vorgibt zu sein und ihm dann seine bereitliegenden Mails aushändigt. Würde jemand anrufen, sich als einen Point ausgeben und das falsche oder gar kein Passwort angibt, bekäme er auch die für diesen Point bereitliegende Mail nicht.

3. FastList ausführen

Nehmen wir an, du hast von deinem Node eine aktuelle Nodeliste bekommen und diese liegt jetzt im Verzeichnis /etc/fido/nodelist-in. Theoretisch müsstest du jetzt einfach "fastlst" aufrufen, dann würde FastList die Nodeliste auspacken, compilieren, an die richtige Stelle schieben und alles wäre fertig. Wie gesagt: theoretisch. Praktisch ist FastList da unter Linux leider etwas problematisch. Am besten ist folgendes vorgehen. Wechsle ins Verzeichnis /etc/fido/nodelist-in, in welchem sich die Nodeliste befinden sollte und entpacke sie manuell mit dem Befehl "arc e nodelist.a22", wenn die Nodelist nodelist.a22 heisst. Nun solltest du eine Datei namens zB. NODELIST.122 (oder eine andere Nummer am Schluss) haben. Beachte bitte, dass der Dateiname groß geschrieben sein muss oder der entprechende Eintrag in der fastlst.cfg ("NodeList...") ebenfalls angepasst werden muss. Nun ist die Datei ausgepackt und du wechselst ins Verzeichnis /etc/fido, um dort dann den Befehl "fastlst" einzugeben, woraufhin sich FastList fröhlich ans Werk machen sollte und die Ergebnisse seiner Arbeit im Verzeichnis /etc/fido/nodelist lagert.

Nun gibt es noch ein Problem: die Dateien heissen etwa NODEX.ndx, NODEX.pdx, usw. also der vordere Teil in Großschrift, die Erweiterung klein geschrieben. Das ist natürlich genau das Format, dass wir nicht gebrauchen können. Binkley benötigt die Dateien komplett in Großschrift, GoldEd komplett klein. Du musst also jede Datei zweimal kopieren (oder mit "ln" links erstellen): NODEX.ndx einmal nach nodex.ndx und einmal nach NODEX.NDX. Mit den anderen Dateien das gleiche. Das ist zwar nervig, aber zeigt das, was passiert, wenn Programme nur halbherzig aus der DOS- und OS/2-Welt nach Linux übetragen werden.

Wenn das allerdings getan ist, sollte sowohl Binkley als auch GoldEd auf die Dateien zugreifen können.

Nun sind alle Programme installiert und konfiguriert, das Fido-System ist arbeitsbereit. Im nächsten, abschließenden Kapitel wird noch beispielhaft das Zusammenspiel der Komponenten anhand eines normalen Pollens gezeigt.

Weiter mit dem Pollvorgang

[cr]

[Einführung] [Details] [Software] [Fido-over-IP] [Mitmachen!] [Erfahrungen] [Echos] [Dokumente] [FidoNews] [Links] [News] [WIF] [Interaktiv]

[Drei Frames] [Zwei Frames] [Keine Frames]