"Was wollt ihr von mir?"

...oder die berechtigte Frage, warum Du Fido-Teilnehmer werden solltest.


Du bist auf diesen Seiten gelandet und weisst bis jetzt noch nicht viel über dieses Ding, das man Fido nennt. Du bist zwar daran interessiert, mehr zu erfahren, aber lange Texte schrecken Dich eher ab? Du weisst, dass dieses Fido-Dings etwas mit Nachrichtenaustausch, aber wenig bis nichts mit dem Internet zu tun hat?

Dann will ich einfach mal ein bisschen erzählen, was Fido Dir geben kann, warum Du mitmachen solltest und was Du davon haben könntest, wenn Du Dich ein wenig durch die folgenden Texte wühlst.


Du kommst aus dem Internet, Du kennst das Internet, und Du weisst, was Du vom Internet hast: Informationen zu alles und jedem, Spass, viele Menschen, und Downloads en masse.

Du bist relativ anonym, wenn Du surfst, oder auch, wenn Du chattest. Du kannst Dir eine andere Identität geben, Dein Selbst verlassen und andere verwirren oder auch Kontakte knüpfen. Du bist der "anonyme Surfer", den die Werbung dazu auserkoren hat, auf möglichst viele Angebote zu klicken, auf dass Dein Geldbeutel irgendwann immer dünner werden wird...


Aber hat es Dich nicht auch schon mal gestört, dass Du in diesem riesigen Netz so anonym bist? Hast Du mal von jemandem eine eMail gekriegt, von dem Du nicht wusstest, ob er männlich oder weiblich oder sonst etwas war? Ausserdem, woher solltest Du überhaupt wissen, ob jemand, der Dir eine Mail schickt, auch automatisch der ist, für den er sich ausgibt?

Würdest Du in einem der endlos grossen Foren des Usenet etwas über Dein Leben erzählen, wo Du nicht sicher sein kannst, ob Dein Chef, Deine Freundin oder gar das FBI mitlesen? Und überhaupt, was soll man sich unter diesen Leuten hinter den kurzen eMail-Adressen eigentlich vorstellen? Sind es ihre richtigen Namen, die da stehen? Oder geben sie sich absichtlich anonym, damit niemand ihre schreiberischen Ergüsse zurückverfolgen kann?


Oder um es kürzer zu machen: Hast Du mal ein starkes Gemeinschaftsgefühl im Internet entwickeln können? Wenn ja, dann hast Du es gut getroffen. Wenn nein, ist das normal. Wenn Du im Usenet an einer Diskussion teilnimmst, und hundert andere dasselbe tun, wird es Dir erstmal sehr schwer fallen, Dir überhaupt irgendwelche Namen zu merken und wenn Du dann mal denkst, jemanden etwas besser zu kennen, verschwindet er einfach auf Nimmerwiedersehen... Irgendwie kommst Du Dir dabei verloren vor. Du gehst unter in der Masse. Es ist, als würden Deine eigenen Beiträge nicht viel ändern. Sie sind auch nicht beständig, sondern werden innerhalb von Minuten forgespült, durch neuere Beiträge von anderen Usern verdrängt...

Das Internet ist gross und schön. Aber es ist eben so verdammt gross, dass man teilweise einfach nur erschlagen wird und nicht mehr weiss, wem man antworten soll, wem man vertrauen kann, ob nicht jeder nur "das Eine" (= Geld) von Dir haben möchte. Das Internet öffnet sich immer mehr dem Kommerz. Wenn Dir noch niemals eine Werbemail ins Postfach geflattert ist, dann hast Du bisher grosses Glück gehabt.


Kommen wir aber dazu, was das Fidonet nun ist und was es Dir letztlich geben kann, um obigen Dingen, die einfach etwas unbefriedigend sind, entgegenzuwirken.

Das Fido wurde 1984 von einem enthusiastischen Menschen, Tom Jennings, gegründet. Das war in einer Zeit, in der noch nicht jeder "drin" war und die Worte "Modem" und "Internet" nur von wenigen Insidern überhaupt ausgesprochen wurden. Man werkelte mit Akustikkopplern, das sind Kästen mit zwei Pfropfen, auf die man den Telefonhörer legen konnte, um dann damit Nachrichten von Computer zu Computer zu übermitteln.

Die Idee war einfach und genial: Indem man eine Kette aus "Verbindungsknoten" (= Nodes) bildete, konnte man Nachrichtenpakete über grössere Distanzen befördern. Jeder Betreiber eines solchen Nodes hatte nur die Telefongebühren bis zum nächsten Node zu zahlen.

Das Fidonet wurde damals gegründet, um mit dem Computer kommunizieren zu können. Nicht in Echtzeit, wie im Chat, sondern in Nachrichtenform. Bald kamen "Echos" hinzu, öffentliche Nachrichtenforen, in die jeder angeschlossene Teilnehmer etwas schreiben konnte. Jede Mail wurde an alle anderen Teilnehmer weitergeleitet, sodass letztlich alle sehen konnten, was geschrieben wurde. Und jeder konnte wieder darauf antworten.

Diese günstige Form der Kommunikation fand rasch viele tausend Anhänger und bis im Jahr 1995 hatte das Fidonet über 25000 dieser Nodes, die weltweiten Datenaustausch auf völlig privater Basis ermöglichten. Keine kommerziellen Interessen waren da im Spiel, nur das reine Hobby, der Spass am Schreiben, die Freude an der "virtuellen Gemeinschaft".


Dieses Fidonet existiert noch immer. Nicht mehr so gross wie damals, aber es ist noch da. Es hat nicht mehr so viele Teilnehmer, weil viele dachten, dass sie im Internet dasselbe und noch viel mehr finden könnten...

Aber viele haben es nicht gefunden, und manche sind sogar wieder zurückgekommen. Sie fanden im grossen, unbegrenzten Internet nicht diese Gemeinschaft, die diese Gruppe enthusiastischer Systembetreiber ermöglichte. Jeder Node hat seine Kontrolle über die Nachrichten, die über sein System laufen. Niemand übergibt sich "Big Brother", wie es jetzt der Fall ist, wenn wir eine eMail versenden. Und ausgebeutet wird niemand, weil jeder nur seinem Hobby nachgeht.


Im Fidonet schreiben alle unter ihrem echten Namen. Und normalerweise weiss der Systembetreiber auch die Telefonnummer und den Wohnort seiner "Points", der Teilnehmer, die bei ihm anrufen. Anonymität ist da nicht zu haben, aber das muss kein Nachteil sein.

In lokalen Echos, also solchen, auf die nur die Points einer oder mehrerer bestimmter Mailboxen Zugriff haben, treffen sich oft Menschen und reden bzw. schreiben über alles mögliche. Bei diesen bestimmten Echos weiss jeder Schreiber ganz genau, wer die eigenen Nachrichten lesen kann. Dieses private Gefühl, auf einer kleinen Insel mit Menschen zusammen zu sein, die man noch nicht kennt, aber immer besser kennenlernt, führt dann sehr oft auch dazu, dass man sich mal trifft und im "Real Life" kennen lernt.

Die meisten Mailboxbetreiber, die über relativ viele Points aus der Umgebung verfügen, führen ab und zu sog. Pointtreffen durch, zu denen jeder Fido-Teilnehmer eingeladen ist, der Lust hat zu kommen. Es ist oft sehr lustig und interessant zu sehen, wie die Menschen in Wirklichkeit so sind, mit denen man sich bisher immer nur schreibend unterhalten hat.

Viele dauerhafte Freundschaften haben sich schon durch diesen regionalen Bezug des Fidonet bilden können. Und die, die sich dadurch kennen gelernt haben, würden Fido oftmals nicht mehr missen wollen.

Und wenn man Leute sucht, die viel Erfahrung mit DFUe haben, die "alten Hasen", die schon ewig dabei sind... auch die findet man im Fido. Aber vor allem findet man hier noch Menschen, die wirklich noch ein Interesse daran haben, sich ausführlich mit anderen Menschen zu unterhalten und ohne ständige Pöbeleien zu diskutieren. Und in den Fach-Echos kommt nicht jeden Tag einer dahergelaufen, der fragt, wie man das Hintergrundbild des Windows-Desktops ändert, um damit wie im Usenet einen gewaltigen Sturm von Antworten auszulösen, von denen man sich jede einzelne schenken könnte.


Wir haben diese Seiten hier erstellt, weil wir zu diesen enthusiastischen Menschen gehören, die dieses Netz, das Fidonet, kennen und schätzen gelernt haben. Wir haben alle vor, noch lange dabei zu bleiben. Und es tut uns weh, mit ansehen zu müssen, wie das Netz immer kleiner wird.

Wir glauben, dass dieser "private Raum" des Fidonet viele Menschen ansprechen könnte, die bisher nur mit der weiten Welt des Internet in Kontakt kamen. Wir sind zuversichtlich, neue Teilnehmer gewinnen zu können, die, wie wir, viel Freude an diesem Netz haben können.

Aber um das zu können, muss man den Mut aufbringen, sich ein wenig dafür zu interessieren. Die Texte hier zu lesen ist der erste Schritt. Einfach ein bisschen Enthusiasmus, wie ihn die ersten Fidonetler aufbrachten, als sie vor vielen Jahren die Grundsteine legten für diese faszinierende und freundliche Art der Kommunikation.


Wir lesen uns. Im Fidonet. Wo sonst? :-)


Falls Du jetzt ein wenig auf den Geschmack gekommen bist, was wir natürlich sehr hoffen, dann kannst Du Dich ja nun ein wenig mit den weiteren Texten beschäftigen:



[jh]

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