Zusammenfassung der Unterschiede und Zusätzliches

 

Die folgenden beiden Tabellen enthalten jeweils die Vor- und Nachteile beider Netztypen in stark komprimierter Form:

 

FidoNet
Vorteile Nachteile
keine Werbung, kein Spam relativ langsam
gute Übersicht relativ wenig User und Echos
geringe Kosten (Realname-Pflicht) / keine Anonymität
guter Umgangston ...
Moderation  
Realname-Pflicht  
"persönliches Flair"  
...  


Usenet
Vorteile Nachteile
sehr schneller Mailaustausch Werbung & Spam
sehr viele User und Gruppen kaum Schutzmöglichkeiten gegen Spammer und Off-Topic (fehlende Moderation)
Anonymität Übersichtlichkeit in vielen Gruppen stark eingeschränkt
(keine Moderation) "Sau rauslassen" möglich ;-) teilweise rauer Umgangston
... ...


 

 

Zusätzliche Unterschiede / Details

 

Geschwindigkeit / Antwortzeiten 

Da im Internet - im Gegensatz zum FidoNet - alle grossen Systeme per Standleitung untereinander verbunden sind, ist der Mailaustausch natürlich sehr schnell. Innerhalb weniger Minuten kann ein neuer Artikel in einer Newsgroup überall auf der Welt gelesen werden.

Doch auch das FidoNet wird immer schneller. Durch das stetige Sinken der Telefongebühren pollen viele Systeme täglich über ein Dutzend Mal. Das bedeutet, dass eine gepostete Echomail oftmals schon nach wenigen Stunden auf allen grösseren Systemen verfügbar ist.

Durch neue Techniken wie Fido-over-IP ist es sogar möglich, Fido-Polls über eine Internet-Verbindung abzuwickeln. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn man selbst über eine Standleitung verfügt. Diese Techniken werden in Zukunft wohl breitere Anwendung finden.

Übertragungszeiten 

Wenn man das Usenet "offline" lesen möchte, muss man alle Nachrichten eines Tages zu sich auf die Festplatte ziehen, um sie dann (bei getrennter Verbindung) ansehen und bearbeiten zu können.

Ein grosser Nachteil dabei ist es, dass alle Daten ungepackt über die Leitung rauschen, jede Mail einzeln. Bei einer grossen Newsgroup kann es daher sehr lange dauern, bis wirklich alle Nachrichten übertragen sind.

Im FidoNet wird daher konsequent auf Packer gesetzt. Das heisst, dass die gesamten Echomails nach dem Tossen in handliche Pakete gepackt und dann erst auf die Reise geschickt werden.

So lässt sich eine Menge Übertragungszeit einsparen, was sowohl dem Offline-Charakter als auch dem Kostenfaktor zugute kommt.

Sicherheit

Die Sicherheit wird auch im FidoNet gross geschrieben. Der Mailaustausch ist immer an ein Passwort gekoppelt. Die eigenen Mails können von fremden Systemen nicht abgeholt werden. Bei privaten Netmails gilt jedoch dasselbe wie bei eMails: Alle Systembetreiber, die am Routing beteiligt sind, können diese Nachrichten theoretisch lesen. Allerdings wird dies (hoffentlich) kaum jemand tun.

Die ganzen anderen Sicherheitslöcher, die immer wieder bezüglich Internet die grosse Runde machen, betreffen das FidoNet überhaupt nicht. Da immer nur zwischen zwei bekannten Systemen eine Verbindung aufgebaut wird, in die sich kein anderer 'einhängen' kann, ist es nicht möglich, den Rechner des anderen auszuspionieren oder Trojaner einzuschmuggeln. Dies wird auch dadurch verhindert, dass File Attachments im FidoNet allgemein verboten bzw. verpönt sind.

Echomail-Empfänger 

Im Usenet ist jede Echomail quasi an "alle" adressiert. Besser gesagt hat sie überhaupt keinen Empfänger, sondern nur einen Absender.

Im FidoNet enthalten alle Echomails einen Empfänger. Dieser ist bei neuen Nachrichten meist "alle" und bei Threads eben der Name der Person, auf deren Mail man antwortet. Der Empfänger schränkt nicht ein wie bei Netmails. Das heisst, wenn eine Echomail an "Olaf Heizmann" geschrieben wurde, dann darf natürlich auch ein Jens Hassler darauf antworten :-)

Der Sinn dieser Echomail-Empfänger liegt in der zusätzlichen Übersicht. Man sieht sofort, welche Mails einen selbst betreffen und welche an "alle" adressiert sind, d.h. meist neue Mails enthalten.

Umgangston 

Wie bereits beschrieben ist der allgemeine Umgangston im FidoNet weit besser als im Usenet. Das liegt natürlich daran, dass das Usenet mehr Mitglieder hat. Je mehr Meinungen, desto mehr Streitereien. Aber auch die Moderation im FidoNet hilft, grössere Ausschreitungen zu verhindern.

Im Usenet existiert wohl kaum eine Gruppe, in der es nicht öfters zu wüsten Beschimpfungen kommt. Meistens schreibt dann jemand (oder viele), dass sich die Jungs doch bitte an die Netiquette halten sollten oder drohen gleich mit einem "Kill-Filter-Eintrag".

Quote-Zeichen 

Im FidoNet wird das Quotezeichen (">") mit Initialen als Standard angesehen (z.B. "JH>"). Im Usenet gilt es als verpönt, Initialen vor das Quotezeichen zu setzen.

Ein seltsamer Widerspruch, der meiner Ansicht nach nur die Unübersichtlichkeit (siehe dieser Text) im Usenet und auch dessen Anonymität fördert.

Im FidoNet sieht man, auch bei mehreren Quote-Ebenen, sofern man die Kürzel zuordnen kann, sofort, wer den jeweiligen Text geschrieben hat. Das ist vor allem bei längeren Quotes sinnvoll.

In der Netiquette des Usenet wird der Verzicht auf die Initialen damit "begründet", dass der zusätzliche Text zur Unübersichtlichkeit beitragen und die Mailgrösse stark anwachsen würde. Wenn man sich allerdings ansieht, wie im Usenet über 60% der Mails aussehen, dann kann man solche scheinheiligen "Begründungen" getrost in eine grosse Tonne kippen und einen Deckel draufnageln.


Da jeder Mensch sich von allen anderen unterscheidet, betrachten viele sicherlich die angeblichen Nachteile als ihre Vorteile oder umgekehrt. Wer halt wirklich unbedingt anonym sein möchte, um sich hinter seinen Mails / seiner Meinung zu verstecken, der wird am FidoNet keine Freude haben und sollte sich wirklich ins Usenet begeben. Und für den, der mit einer moderierten Gruppe nicht leben kann, gilt dasselbe.

Deshalb möchten wir auch ganz speziell die Menschen für das FidoNet gewinnen, die die in diesen Texten genannten Vorteile auch wirklich als Vorteile und die Nachteile ebenfalls als Nachteile betrachten. Denn diese Einstellung entspricht dann der der meisten FidoNet-User.

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