FidoNet? Was kommt da auf mich zu?

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Dieser Artikel soll klären, welche Voraussetzungen man mitbringen sollte, um am FidoNet teilnehmen zu können. Nein, keine Sorge, man muss nicht Superman oder Mr. Spock sein, um das zu dürfen. Einfach mal weiterlesen :-)

 

1. Interesse an (textgebundener) Kommunikation

Das dürfte wohl die Hauptsache sein, weil es der Grund ist, warum Nachrichtennetze überhaupt existieren. Interesse an Kommunikation kann viel bedeuten.

Menschen kommunizieren, um bestimmte Informationen zu erhalten. Wie löse ich mein Computerproblem? Wie repariere ich mein Auto? Hier würde man sich wohl die Echos HARDWARE.GER und AUTO.GER bestellen.

Menschen kommunizieren, um Spass zu haben. Einfach mal chatten, über alles quatschen, was einem so in den Sinn kommt. Das Kennenlernen von Menschen ist davon natürlich ein grundlegender Bestandteil. Beispiele für Chat-Echos sind z.B. die FLIRT.GER, die STARTREK.CHAT.GER, aber auch sog. lokale Echos, die nur den Points und Downlinks einer bestimmten Mailbox zugänglich sind.

Menschen kommunizieren auch, um ihre Gedanken der Öffentlichkeit mitzuteilen. Oder man hat das unzähmbare Verlangen, über seine eigene politische Meinung zu diskutieren? Über bestimmte Fernsehserien oder Kinofilme? In diesen Fällen (diese machen den grössten Teil aus) bestellt man die POLITIK.GER und die MOVIE.GER.

Natürlich läuft diese ganze Kommunikation schriftlich und nicht in "Echtzeit" ab. Eigentlich wie ein schneller Briefverkehr mit dutzenden Menschen. Für viele ist dies ein wichtiger Grund, seine Gedanken in Nachrichtennetzen und nicht im Reallife zu formulieren. Wie man dies handhabt, bleibt jedem selbst überlassen.

Noch ein kleiner Nachtrag: "Bunte" Formatierung von Mails, wie sie  z.B. HTML vorsieht, sind im FidoNet absolut nicht erwünscht oder gar zugelassen. Dies gilt übrigens auch für das Usenet. Wer also glaubt, ohne rote Schrift und blinkenden Text mit eingebauten Grafiken keinen Spass am Mailaustausch zu haben, für den ist Fido wahrscheinlich nicht die richtige Entscheidung.

 

2. Guter, "sozialer" Umgang mit Mitlesern

Ich schreibe meine Meinung in eine Gruppe und werde daraufhin als "Arschloch", "Idiot" oder "DAU" gebrandmarkt, aufs übelste beschimpft und heruntergemacht.

Muss das sein?

Nein, muss es nicht. Muss es ganz und gar nicht. Es gibt Menschen, die nutzen Nachrichtennetze, um ihren Hass auf sich und die Welt in aller übelster Form abzulassen oder um ihre verbotenen Weltansichten (z.B. Nationalsozialismus) vor einem weiten Publikum auszubreiten.

Ein absolut wichtiger, wenn nicht sogar der allerwichtigste Grundsatz der Kommunikation über Nachrichtennetze, ist das Verständnis dafür, dass auf der "anderen Seite" (der Leitung) ebenfalls ein Mensch sitzt. Ein Mensch, der eigene Ansichten, Meinungen und Gefühle hat, die von den eigenen mitunter stark abweichen können.

Einige "Typen", die man so im Fido (wie auch in der sonstigen Welt) treffen kann, sind im folgenden Artikel beschrieben:

Sicherlich lassen sich Streitereien nicht vermeiden. Doch gibt es den "Diskussionsstreit" oder den "friedlichen/produktiven Streit" und aber den "Hass-Streit". Streit ist daher gut, da er Diskussionen fördert, zu neuen Ideen anregt, die Streitpartner sich vielleicht sogar gegenseitig zu neuen Denkweisen und Ansichten auffordern. Doch wenn Streit zu einer wilden Schlammschlacht verkümmert, bei der sich alle Beteiligten ungehemmt Beleidigungen an den Kopf werfen, dann hat das in einem Nachrichtennetz nichts mehr zu suchen.

Im FidoNet können Menschen, die wissentlich und absichtlich Streit suchen oder stark beleidigende Mails verfassen, "abgemahnt" werden. Das heisst, sie werden vom Moderator des jeweiligen Echos aufgefordert, solche Aussagen in Zukunft zu unterlassen und sich "zivilisiert" zu verhalten.

Zur Arbeit von Moderatoren siehe:

Die Anonymität des Internet/Usenet lädt leider zu solchen erbärmlichen Dingen ein. Im FidoNet sieht das ein wenig anders aus. Wer damit nicht klar kommt, hat - ganz klar - im FidoNet nichts verloren. Auch im Usenet sind solche Leute natürlich nicht gerne gesehen, nur existieren dort keine wirksamen Kontrollmechanismen, um Ausschreitungen zu verhindern.

 

3. Hilfsbereitschaft

Die meisten sog. Fach-Echos (z.B. HARDWARE.GER, AUTO.GER, WISSEN.GER) leben davon, dass irgend jemand der Anwesenden die Antwort auf eine Frage weiss, die jemand stellt.

Somit ist jeder, der am FidoNet teilnimmt, dazu aufgerufen, sein Wissen an die anderen weiterzugeben. Zu helfen, wenn Fragen auftauchen. Oder Diskussionen, die ins 'off-topic' gleiten, wieder auf die "richtige Bahn" zu führen.

Der "Lohn" für diese Hilfsbereitschaft ist natürlich, dass man sich selbst gut fühlen kann, wenn man jemand anderem bei einem schwierigen Problem weiterhelfen konnte. Da dies den meisten aber wohl nicht reicht, denkt man an die Situation: Was passiert, wenn ich selbst eine Frage habe, zu der ich keine Antwort weiss?

So funktioniert ein gutes Zusammenleben. Jeder hilft dem anderen. Einer für alle, alle für einen. Wäre doch gelacht, wenn das nur die Musketiere könnten, oder?

 

4. Anti-Kommerz-Ausrichtung

Das FidoNet ist absolut unkommerziell. Es ist ein Hobby, das von den Sysops aus der eigenen Tasche bezahlt wird. Werbung und Spam sind daher im Fido absolut verpönt.

Wer das FidoNet also als Werbeplattform verwenden möchte, kann gleich wieder verschwinden. Das klingt hart, aber das ist einer der Grundsätze, auf die Fido aufbaut.

 

5. Exhibitionismus?

Das FidoNet ist ganz klar kleiner als das Usenet. Das kann sowohl Vor- als auch Nachteil sein.

Sicherlich fühlt sich manch einer unwohl, wenn er weiss, dass das, was er schreibt, auf der ganzen Welt von Millionen Menschen gelesen werden kann. Das FidoNet ist in der Hinsicht privater, persönlicher, und daher für viele sicherlich ansprechender.

Natürlich kann eine grosse Leserschaft wie im Usenet auch sehr nützlich sein, z.B. wenn man ein absolut schwieriges Problem in einem Fachecho beschreibt. Je mehr Leser, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die Antwort kennt.

Diese Spezilitäten sind ja schon in anderen Artikeln besprochen worden. Man sollte aber auch daran denken, dass es kein Problem darstellt, sowohl FidoNet als auch Usenet gleichzeitig zu nutzen. Viele Programme können das sogar unter einer einheitlichen Oberfläche.

 

6. Kosten?

Die gute Nachricht: Es wird alles immer billiger. Zumindest im Telekommunikationsbereich. Dank Call by Call kosten Ferngespräche nur noch sehr wenig, was dem FidoNet natürlich zugute kommt. Es ist heutzutage nicht mehr nötig, unbedingt eine Mailbox im Ortsbereich finden zu müssen. Eigentlich kann sie irgendwo in Deutschland stehen. Der Artikel...

...gibt darüber detailliertere Auskünfte.

Es kann auch noch vorkommen, dass bestimmte Sysops einen kleinen Betrag von ihren Points oder Downlinks fordern, um ihr Hobby zu finanzieren. Da die Kosten jedoch immer geringer werden, sind Pointgebühren nur noch sehr selten zu finden. Siehe dazu:

In der Regel werden keine Pointgebühren mehr erhoben. Und wenn doch, dann sollte man sich einen Node suchen, der keine Geld sehen will.

So. Eigentlich nicht schwer, diese Dinge zu beachten, oder? Interesse daran haben, an dem was man liest und schreibt, seine Mitleser als Menschen und nicht als 'seelenlose Kreaturen' anerkennen, einfach ein wenig darauf achten, wie die eigene Nachricht 'rüberkommt', auf Werbemails verzichten und ein paar Mark Telefongebühren.

Das sollte noch jeder hinbekommen :-)

Wer jetzt zu dem Entschluss gekommen ist, dass FidoNet etwas für ihn ist, kann mit folgendem Artikel weitermachen:


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