Die Technologie des FidoNet - Kurzübersicht

[Mailboxen] [Fido-Boxen] [Fido-Topologie] [Programme] [Adressen, Listen] [Mailarten] [Echoarten, Echolisten] [Areafix, Filefix] [File Requests] [Regeln]

 

Dieser Text soll die wichtigsten Bereiche der Fido-Technologie erklären, die man als Point kennen und verstehen sollte. Die in dieser Kurzübersicht gegebenen Erklärungen sind nicht sehr detailliert ausgeführt, und das aus gutem Grund: Das Verständnis für die Zusammenhänge ist wichtig, nicht die totalen FidoNet-Details, die selbst viele Teilnehmer des Fido nicht kennen bzw. kennen müssen.

Wer dennoch zu bestimmten Punkten mehr wissen will, sei es einfach aus Interesse oder weil man vielleicht schon im FidoNet ist und mehr wissen will, klickt auf den entsprechenden "Details"-Link, der zu der entsprechenden Stelle in einem ausführlicheren Text führt.

 

Mailboxen

Mailboxen sind die Einrichtungen, auf die FidoNet aufbaut. Früher gab es eine umfangreiche BBS-Szene. Mailboxen sind nichts anderes als (meist) private Rechner, die über ein Modem Anrufe annehmen und den Anrufern entsprechende Informationen präsentieren.

In den Anfängen und der "Blütezeit" waren noch viele Leute "online" dabei und schrieben ihre Mails innerhalb der Mailbox bei laufender Verbindung. Auch war der Chat innerhalb der Box oft ein Grund, sich in eine Mailbox einzuwählen.

Seit dem Siegeszug des Internet und der 1996 durchgeführten Erhöhung der Ortsgesprächsgebühren stirbt die reine BBS-Szene aus. Gechattet wird nun im Internet mit weit mehr Menschen überall auf der Welt.

Das bedeutete aber nicht den Tod des FidoNet. Dieses war seit den Anfängen als "Offline-Netz" ausgelegt. So haben sich auch die meisten Mailboxen dem FidoNet angeschlossen.

 

Fido-Boxen, "Mail only"

Die frühere "Online-Szene" mit ihren zahlreichen BBS entwickelte sich immer weiter zu einer reinen FidoNet-"Offline"-Gemeinschaft. Das heisst, dass heute viele Mailboxen überhaupt keinen BBS-Bereich mehr haben und nur noch Fido anbieten. Diese Boxen sind auch als "Mail only" bekannt und so auch in der Nodeliste gelistet (MO-Flag).

"Fido-Box" bezeichnet eine Mailbox, die in der Lage ist, Points einzurichten und Mails mit dem Rest der Welt auszutauschen.

 

Fido-Topologie

Das FidoNet hat eine bestimmte Struktur, ohne die es nicht möglich wäre, in geordneten Bahnen Nachrichten auszutauschen. Die kleinste Einheit des FidoNet ist der Point.

Fido-Topologie: Minimaldiagramm

Dieses Diagramm verdeutlicht, wie der Mailaustausch auf der kleinsten Ebene funktioniert. Der Point pollt bei seinem Node (d.h. er ruft bei der Mailbox an, schickt seine neuen Mails dort hin und holt gleichzeitig neue Mails ab -- dies alles regelt die Point-Software automatisch).

Der Node ist wiederum das Bindeglied zur "Welt". D.h. der Node ruft andere Nodes an oder diese rufen bei ihm an, je nachdem wie das sogenannte Routing geregelt wurde.

Der Point selbst kann ausser seinem Bossnode auch andere Nodes anrufen, um z.B. andere Points per Crashmail zu erreichen oder um File Requests durchzuführen.

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Programme

Die Programme, die auf der Seite des Nodes eingesetzt werden, brauchen einen Point nicht gross zu interessieren. Aber im Grunde sind sie dieselben wie auch bei ihm, nur in anderer Konfiguration und Zusammenstellung.

Die einzelnen Programmbestandteile sind in den Point-Komplettpaketen vollständig integriert, d.h. sie sind unter einer Oberfläche vereint. Diese Programme sind:
 

Der Editor:

Mit ihm schreibt oder beantwortet man Mails oder lässt sich die Mails von anderen anzeigen.

Der Tosser:

Er konvertiert die eigenen Mails in ein FidoNet-spezifisches Format und bereitet diese damit zum Verschicken vor. Ausserdem sortiert der Tosser die hereinkommenden Mails in die jeweiligen Echos ein.

Der Mailer:

Er ist für die Kontaktaufnahme zuständig. Der Mailer ruft beim Node an, schickt die vom Tosser präparierten Pakete hinüber und holt gleichzeitig die neuen Mailpakete ab.



Es gibt noch mehr Bestandteile, doch diese drei sind die wichtigsten und grundlegendsten.

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Adressen, Listen

Damit der Mailaustausch funktionieren kann, muss die Software natürlich die Telefonnummern der einzelnen Fido-Boxen kennen. Jeder Teil des FidoNet, vom Point bis zum HUB oder Host, hat eine eindeutige Adresse, quasi seine "Anschrift" im Fido. Diese sieht z.B. so aus:

2:2476/847.5

Das Format einer derartigen Adresse ist:

Zone:RegionNetz/Node.Point

Das heisst, unter obiger Adresse ist Point 5 der Mailbox mit der Nummer 847 im Netz 76 (Südwesten) in Region 24 (Deutschland) der Zone 2 (Europa) erreichbar.

Wenn nun ein Node eine Mail an einen anderen Node weiterleiten will, dann muss seine Software wissen, welche Nummer gewählt werden muss, um eine bestimmte Adresse zu erreichen. Dafür gibt es die sogenannte Nodeliste.

In ihr stehen alle Nodes, zusammen mit ihrem Namen, ihrem Standort, ihrer Telefonnummer sowie einigen Modem-Flags (z.B. ob der Node ISDN unterstützt oder nicht).

Aber auch wenn ein Point verschiedene Nodes anrufen möchte, z.B. um einen File Request durchzuführen, um Crashmails zu verschicken oder einfach nur, weil er bei verschiedenen Boxen Point ist, benötigt er eine Nodeliste.

Zusätzlich gibt es auch noch eine Liste, in der alle Points gelistet sind, die sog. Pointliste. Mit ihr kann man sich darüber informieren, unter welcher Adresse sich jemand im FidoNet anschreiben lässt.

Node- und Pointliste werden wöchentlich über sog. Nodediffs bzw. Pointdiffs aktualisiert.

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Mailarten

Jeder Teilnehmer des FidoNet hat verschiedene Möglichkeiten, Nachrichten zu verschicken. Die Netmail, die Crashmail und die Echomail.

Eine Netmail ist eine private, persönliche Mail, die an den jeweiligen Empfänger geroutet wird, d.h. sie wird zuerst an den Bossnode des Points verschickt, und von dort weiter über diverse Systeme, bis sie das Zielsystem erreicht und vom anderen Point abgeholt werden kann.

Eine Crashmail ist ebenfalls eine private Mail. Der Unterschied zur Netmail besteht darin, dass sie nicht geroutet wird. Stattdessen ruft der Point direkt beim Bossnode des Empfängers an und liefert die Mail dort ab. Sobald der Point dann dort pollt, erhält er diese Nachricht.

Letzteres ist die schnellste Methode im FidoNet, um private Mails zuzustellen. Vergleichbar ist das in etwa mit einem Internet-Provider, der die eMails für seine Mitglieder so lange zwischenspeichert, bis diese abgeholt werden.

Zusätzlich zu den privaten Mails gibt es noch die öffentlichen Nachrichten, die Echomails. Und diese machen natürlich den grössten Teil des FidoNets aus. Eine Echomail kann von jedem Teilnehmer in ein beliebiges Echo geschrieben und ebenso von jedem beliebigen Teilnehmer wieder gelesen werden (sofern er dieses Echo bestellt hat).

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Echoarten, Echolisten

Wenn man Point wird, kann man bei seinem Bossnode eine sog. Echoliste anfordern, in der alle Areas verzeichnet sind, die man bestellen kann.

Die häufigsten Echos enden auf .GER, d.h. sie sind offizielle deutschsprachige FidoNet-Echos, die meistens in ganz Deutschland (und im angrenzenden deutschsprachigen Ausland) verbreitet und erhältlich sind. Beispiele: KOCHEN.GER, STARTREK.GER, WISSEN.GER.

Zusätzlich gibt es noch internationale, z.B. amerikanische Echos. Dort ist ja das FidoNet entstanden, deshalb haben diese keine Endung. Sie heissen z.B. STARTREK oder GAMING. Internationale Echos sind nicht bei allen deutschen Nodes erhältlich.

Abschliessend gibt es noch einen weiteren Echotyp: Die lokalen Echos. Dies sind Areas, die nur den Points und Nodes eines bestimmten Bereichs zugänglich sind, z.B. allen Points einer Mailbox oder allen Nodes und Points innerhalb eines Netzes. Z.B. gibt es im Netz 2476 das Echo BREISGAU.ALLGEMEIN und beim Node 2:2476/847 (Skytrek) das interne Echo POINTS.847.

Bei den GER-Echos gibt es eine bestimmte Gruppe, die sog. administrativen Echos, in denen teilweise nur Nodes schreiben dürfen. In ihnen wird die "Politik" des Fido abgehandelt, was oftmals in kleineren Schlammschlachten ausarten kann. Ein Point, der sich dahin verirrt, wird bald gähnend wieder von dannen ziehen und sich wieder den "normalen" Echos zuwenden :-)

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Areafix, Filefix, ...

Wenn ein Point bei seinem Node ein bestimmtes Echo bestellen will, dann kann er beim sog. Areafix des Boxsystems eine Echoliste anfordern. Hierbei schreibt der Point selbst oder seine Pointsoftware (die das für ihn erledigt) eine normale Mail an einen bestimmten Empfänger, z.B. Areafix@2:2476/847.

Dies ist nichts anderes als ein Programm innerhalb der Mailbox des Nodes, das die enthaltenen Befehle auswertet und dem Point z.B. eine Echoliste schickt oder ihn auf gewünschte Echos aufschaltet.

Mit solchen Befehlen kann man noch mehr Dinge machen. Zum Beispiel lassen sich mit einem Rescan (sofern der Node die Nachrichten noch hat) alle Mails eines bestimmten Zeitraums aus einem bestimmten Echo anfordern.

Ein Filefix oder Allfix (die Bezeichnungen können differieren) macht dasselbe für sog. File-Echos. Das sind Echos, über die ein Point z.B. wöchentlich die neusten Nodelist-Diffs bezieht.

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File Requests

Ein Node kann, wenn er will, bestimmte Dateien auf seiner Festplatte allen FidoNet-Teilnehmern zugänglich machen, indem er sie zum Request bereitstellt.

Dazu muss jemandem nur der Name der Datei und die Adresse des Systems bekannt sein, auf dem diese Datei liegt. Der Node oder Point kann dann dort direkt anrufen und einen sog. File-Request abschicken, aufgrund dessen er sofort die gewünschte Datei im 'Austausch' erhält.

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Regeln

Damit die Kommunikation in den Echos reibungslos funktioniert und Peinlichkeiten, wie sie im Internet täglich vorkommen, möglichst ausgeschlossen werden, gibt es im FidoNet für die meisten Echos sog. Rules (Regeln), die von dem Moderator des Echos geschrieben und gepflegt werden.

Diese Rules enthalten das sog. Topic des Echos, d.h. über was dort diskutiert werden darf/sollte und was man besser in anderen Echos bespricht. Der Moderator achtet darauf, dass diese Regeln eingehalten werden und kann, sofern ein Verstoss begangen wird (z.B. eine Off-Topic-Nachricht), mit einer kleinen Verwarnung reagieren. Wenn ein Teilnehmer ständig stört und damit den Echofrieden ernsthaft gefährdet, kann ihm sogar das Schreibrecht auf das entsprechende Echo entzogen werden. Derartige Massnahmen sind jedoch äusserst selten.

Wenn ein Point ein Echo bei seinem Node bestellt, sollte er die Rules dieses Echos gelesen haben, bevor er darin schreibt. Die Rules erhält er von seinem Node, der ihm diese evtl. gleich zuschickt, nachdem die Echobestellung bei ihm eingegangen ist.

Zusätzlich gibt es noch die sog. Policies. Das sind Dokumente, die das FidoNet und dessen Organisation beschreiben und auch, wie sich die Teilnehmer zu verhalten haben, damit alles reibungslos funktioniert und jeder Spass an seinem Hobby haben kann.

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So, das sind sicherlich sehr viele Dinge, die es zu beachten oder zu wissen gibt. Aber keine Sorge: Man muss nicht alles wissen. Als normaler Point im FidoNet schreibt und liest man in den Echos und hat eine Menge Spass, jeden Tag. Über die Details braucht man sich meist keine grossen Gedanken zu machen und das, was sich ab und zu richtig "streng" anhört, erweist sich oftmals als gar nicht so tragisch (wie z.B. die Arbeit von Moderatoren).

Wenn Du das Zeug da oben gelesen und halbwegs verstanden hast, dann bist Du "fit fürs Netz", d.h. es steht nun absolut nichts mehr im Weg, selbst Point zu werden.

Aber vorher möchtest Du vielleicht noch wissen, was im FidoNet auf Dich zukommt (hört sich böse an, ist es aber nicht).

Also geht's weiter mit...


[jh]

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